Folgen der Neufestsetzung der amtlichen Einwohnerzahl

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Symbolbild

Sehr geehr­ter Herr Ober­bür­ger­meis­ter,

durch den Zen­sus 2011 wur­de die Ein­woh­ner­zahl der Stadt Ulm nach unten kor­ri­giert.

Wir bit­ten um Beant­wor­tung fol­gen­der Fra­gen im zustän­di­gen Aus­schuss:

  1. Wird die Stadt­ver­wal­tung gegen den erhal­te­nen Fest­stel­lungs­be­scheid mit der neu­en amt­li­chen Ein­woh­ner­zahl Wider­spruch ein­le­gen?
  2. Wel­che Aus­wir­kun­gen, vor allem mit Hin­sicht auf den städ­ti­schen Haus­halt, hat die neue amt­lich fest­ge­stell­te Ein­woh­ner­zahl?

Mit freund­li­chen Grü­ßen
Dr. Bru­no Waid­mann
Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der für die FDP-Frak­ti­on

 

Ant­wort des Ober­bür­ger­meis­ters vom 28.11.2013:

Sehr geehr­ter Herr Stadt­rat Dr. Waid­mann,

vie­len Dank für Ihre Nach­fra­ge zum Stand des Zen­sus und die Fol­gen für die Stadt Ulm.

1. Aktu­el­ler Stand des Ver­fah­rens

Das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt hat am 31.05.2013 die ers­ten Ergeb­nis­se zum Zen­sus 2011 ver­öf­fent­licht. Danach hat­te die Stadt Ulm zum Zen­sus­stich­tag (09.05.2011) ins­ge­samt 116.761 Ein­woh­ner mit Haupt­woh­nung. Die­se Zahl bil­det die neue Basis fü̈r die Fort­schrei­bung der amt­li­chen Ein­woh­ner­zahl bis zum nächs­ten Zen­sus im Jahr 2021.

Im Ergeb­nis ver­lor die Stadt Ulm damit gegen­über den bis­her gel­ten­den Ein­woh­ner­zah­len auf Basis der Volks­zäh­lung 1987 mehr als 6.000 Ein­woh­ne­rin­nen und Ein­woh­ner (rd. 5%). Im Haupt­aus­schuss wur­de am 20.06.2013 berich­tet (GD 241/13).

Die im Ver­gleich zu ande­ren baden-würt­tem­ber­gi­schen Städ­ten zum Teil nicht nach­voll­zieh­ba­ren Abwei­chun­gen sowie die beträcht­li­chen Unter­schie­de hin­sicht­lich der aktu­el­len Mel­de­re­gis­ter­zah­len haben uns bewo­gen, gegen den Fest­stel­lungs­be­scheid des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts Baden-Würt­tem­berg Wider­spruch zu erhe­ben, wie übri­gens noch wei­te­re 364 Städ­te und Gemein­den in Baden-Würt­tem­berg.

In Abstim­mung mit ande­ren Städ­ten und auf Basis von Emp­feh­lun­gen des Städ­te­tags wur­de der Wider­spruch mitt­ler­wei­le aus­führ­lich begrün­det. Nach Vor­la­ge des Wider­spruchs­be­scheids durch das Sta­tis­ti­sche Lan­des­amt wird ent­schie­den, ob Kla­ge erho­ben wird. Der Gemein­de­rat wird zu gege­be­ner Zeit infor­miert.

2. Aus­wir­kun­gen auf den Haus­halt

Da die Bemes­sungs­grund­la­ge für die Zuwei­sun­gen des Lan­des nach dem Gesetz über den kom­mu­na­len Finanz­aus­gleich (FAG) u.a. die Ein­woh­ner­zahl ist, wird die Stadt Ulm ab dem Jahr 2014 grund­sätz­lich gerin­ge­re Finanz­zu­wei­sun­gen erhal­ten. Dabei ist zu beach­ten, dass die Mecha­nis­men des Finanz­aus­gleichs zu dem Effekt füh­ren, dass Min­der­ein­nah­men zwei Jah­re spä­ter zu einer Ver­bes­se­rung und wei­te­re 2 Jah­re spä­ter zu einer Ver­schlech­te­rung der Zuwei­sun­gen füh­ren.

In einer Über­gangs­re­ge­lung wur­de bestimmt, dass bei der Ver­tei­lung der Finanz­zu­wei­sun­gen nach FAG das Zen­sus­er­geb­nis im Jahr 2014 nur zu 50 % und im Jahr 2015 zu 75 % berück­sich­tigt wird. Erst im Jahr 2016 wird die auf der Grund­la­ge des Zen­sus wei­ter­ge­führ­te Bevöl­ke­rungs­fort­schrei­bung in vol­lem Umfang berück­sich­tigt. Die­se Über­gangs­re­ge­lun­gen soll den Kom­mu­nen mit sin­ken­den Ein­woh­ner­zah­len Zeit geben, sich auf die neue Situa­ti­on ein­zu­stel­len.

Des­wei­te­ren wird der maß­geb­li­che Grund­kopf­be­trag zur Bemes­sung der Schlüs­sel­zu­wei­sung nach der man­geln­den Steu­er­kraft wie folgt erhöht:

  • 2014 von 1.102 €/EW um 18 €/EW auf 1.120 €/EW
  • 2015 von 1.133 €/EW um 27 €/EW auf 1.160 €/EW
  • 2016 von 1.144 €/EW um 36 €/EW auf 1.180 €/EW

Die finan­zi­el­len Aus­wir­kun­gen für das Haus­halts­jahr 2014 ent­neh­men Sie bit­te der nach­fol­gen­den Über­sicht:

Zen­sus
in T€
Bish. Einw.
in T€
Ände­rung
in T€
Zuweis. n. mang. Steu­er­kraft 21.500 23.500 -2.000
Stadt­kreis­seh­lüs­sel­mas­se 14.000 14.400 -400
Komm. Inves­ti­ti­ons­pau­scha­le 6.000 6.900 -900
Zuwei­sung Stadt­kreis 2.230 2.290 -60
Finanz­aus­gleichs­um­la­ge 45.500 45.400 +100
Gesamt-Ver­schlech­te­rung -3.260

Berech­nungs­ba­sis:

  • Zen­sus: Grund­kopf­be­trag 1.120 €/EW, Bevöl­ke­rungs­fort­schrei­bung mit Berück­sich­ti­gung der Aus­nah­me­re­ge­lung (50% Zensus/50% bish. Emw.).
  • Bish. Einw.: Grund­kopf­be­trag 1.102 €/EW

Mit freund­li­chen Grü­ßen,
Ivo Gön­ner

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