Haushaltsrede 2013 von Erik Wischmann, gehalten am 21.11.2012

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Sehr geehr­ter Herr Ober­bür­ger­meis­ter,
sehr geehr­te Frau Bür­ger­meis­te­rin,
sehr geehr­te Her­ren Bür­ger­meis­ter,
lie­be Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen,

liest man den Vor­be­richt zum Haus­halts­plan­ent­wurf 2013, so erfährt man, dass die kom­mu­na­len Haus­hal­te zum einen durch erhöh­te Zuwen­dun­gen des Bun­des ent­las­tet wer­den, die­ser Effekt aber vor allem durch immer wei­ter stei­gen­de Aus­ga­ben im Sozi­al­be­reich wie­der auf­ge­ho­ben wird.

So gelingt es auch in Ulm trotz spru­deln­der Gewer­be­steu­er­ein­nah­men und einer immer noch erfreu­lich nied­ri­gen Arbeits­lo­sen­quo­te nicht, deut­li­che Haus­halts­über­schüs­se zu erzie­len, mit denen die noch vor­han­de­nen Schul­den wei­ter deut­lich gesenkt wer­den kön­nen. Auch wenn hier­bei beson­de­re Aspek­te, wie die Bil­dung von Rück­la­gen für kom­men­de Inves­ti­ti­ons­pro­gram­me eine Rol­le spie­len, erfüllt es uns doch mit Sor­ge, dass wir selbst in die­sen glück­li­chen Zei­ten für Ulm nur einen rela­tiv gerin­gen Schul­den­ab­bau errei­chen.

Denn die wei­te­ren Aus­sich­ten sind kei­nes­wegs so rosig, dro­hen doch nach wie vor erheb­li­che Ver­wer­fun­gen in der Glo­bal­wirt­schaft durch die andau­ern­de Finanz- und Euro­kri­se. Auch wenn die gegen­wär­tig nied­ri­gen Zin­sen es sehr ver­lo­ckend machen, Kre­di­te für kom­men­de Inves­ti­tio­nen auf­zu­neh­men, soll­ten wir nicht in einen Inves­ti­ti­ons­rausch ver­fal­len. Denn vie­le die­ser Inves­ti­tio­nen füh­ren zu dau­er­haf­ten Belas­tun­gen im Ergeb­nis­haus­halt; und ob die erwar­te­ten Erlö­se bzw. imma­te­ri­el­len Gewin­ne für die Stadt wie erwar­tet aus­fal­len, ist kei­nes­falls immer sicher.

So ler­nen wie in die­sen Tagen, dass die zunächst von den meis­ten so sehr begrüß­te Ener­gie­wen­de eben nicht zu einer Stär­kung der Stadt­wer­ke führt, son­dern die­se auf­grund der kom­ple­xen, indi­rek­ten Effek­te des Aus­baus der rege­ne­ra­ti­ven Ener­gie in den nächs­ten Jah­ren mit erheb­li­chen Ertrags­ein­bu­ßen rech­nen müs­sen und man­che hoff­nungs­vol­le Inves­ti­ti­on der Ver­gan­gen­heit sich heu­te als ver­lust­brin­gend dar­stellt. Hier erlebt die Ver­wal­tung das, was die Wirt­schaft schon seit lan­gem beklagt: man­geln­de Inves­ti­ti­ons- und Pla­nungs­si­cher­heit.

Zudem gilt es, die vor­han­de­ne Infra­struk­tur zu erhal­ten und an vie­len Stel­len zu sanie­ren. Zugleich wer­den zur Zeit aber fort­lau­fend Ansprü­che geschaf­fen, die eine dau­ern­de Belas­tung unse­res Haus­halts auch in kom­men­den, schwie­ri­ge­ren Zei­ten dar­stel­len.

Ins­be­son­de­re den­ke ich hier an eine immer mehr um sich grei­fen­de Men­ta­li­tät, alles und jeden vor jeg­li­cher Unbill zu schüt­zen. Wir geben inzwi­schen immer mehr Geld aus, um die Auf­la­gen für Brand­schutz, Denk­mal­schutz, Umwelt­schutz, Lärm­schutz, Tier­schutz, Kli­ma­schutz, usw. zu erfül­len. Von Park­schüt­zern ganz zu schwei­gen. Auch pri­va­te Inves­to­ren, z.B. im Woh­nungs­bau, sehen sich mit immer mehr kost­spie­li­gen Vor­schrif­ten kon­fron­tiert. So sinn­voll und wich­tig die­se The­men sind, fin­de ich es doch bedenk­lich, wenn Regu­la­ri­en in die­sen Berei­chen zuneh­mend aut­ark und ohne Betrach­tung der finan­zi­el­len und gesamt­wirt­schaft­li­chen Fol­gen auf­ge­stellt wer­den. Wer schützt uns eigent­lich vor den Schüt­zern?

Ich war­ne daher vor einer Wunsch­ge­sell­schaft, in der man ver­sucht die viel­fäl­ti­gen, oft rein ego­is­ti­schen Wün­sche ein­zel­ner vor das Gemein­wohl zu stel­len. Denn dabei blei­ben ent­we­der bestimm­te Grup­pen – je nach poli­ti­schem Gewicht – außen vor, oder es wird das Füll­horn aus­ge­schüt­tet, als ob das Geld auf den Bäu­men wach­sen wür­de. Und bei den Haus­halts­be­ra­tun­gen kommt dann das gro­ße Erwa­chen und von Zeit zu Zeit eine Kon­so­li­die­rungs­run­de, die von allen Betrof­fe­nen mit gro­ßem Kla­gen beglei­tet wird.

Poli­ti­scher Wunsch und finan­zi­el­le Wirk­lich­keit pral­len hier auf­ein­an­der. Dies müs­sen wir den Men­schen immer wie­der klar­ma­chen, sonst wer­den Erwar­tun­gen geweckt, die sich ver­ant­wor­tungs­voll nicht errei­chen las­sen.

Fol­gen wir doch lie­ber einem Zitat von Theo­dor Fon­ta­ne: „Gib dei­nem Wunsch Maß und Gren­ze, und dir ent­ge­gen kommt das Ziel.“

Für die FDP-Frak­ti­on wird dies jeden­falls Leit­spruch für die anste­hen­den Haus­halts­be­ra­tun­gen sein.

Ihnen, Herr Bür­ger­meis­ter Czisch und Ihren Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern dan­ke ich, auch im Namen mei­ner Frak­ti­on, für die Vor­la­ge der Ent­wür­fe des Haus­halts­plans 2013 und der Mit­tel­fris­ti­gen Finanz­pla­nung.

Erik Wisch­mann, FDP-Frak­ti­on


Wei­te­re Infor­ma­tio­nen:

  • Süd­west Pres­se, 24.11.12 — Zitat des Tages von Erik Wisch­mann: „Wer schützt uns eigent­lich vor den Schüt­zern?“ (Der Ulmer FDP-Stadt­rat zur Men­ta­li­tät, immer mehr durch kost­spie­li­ge Vor­schrif­ten zu regeln.)

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